IMM 2019 - Messe ohne Nachhaltigkeit

Im 100. Jubiläumsjahr des Bauhauses als Avantgarde-Institution schlechthin hätte man mehr futuristische Möbelentwürfe erwartet und viel weniger ein Mid-Century-Revival und einen damit verbundenen Blick ins Gestrige. Innovative oder gar nachhaltig-ökologische Materialien waren nur sehr vereinzelt zu finden und standen in keinem nennenswerten Verhältnis zum gediegenen, internationalen „Glanz & Gloria“ in Marmor, Samt, Leder und Teak. Letzteres wird rücksichtslos „aus dem Vollen“ gefräst und damit eine einstige Handwerkskunst suggeriert, die heutzutage einem rein maschinellen Prozess gewichen ist. Hochflorige Polster – irgendetwas zwischen Fell und Frottier – werden über üppige Sessel und Sofas gespannt und lassen eher die Sixties à la V.Panton wieder aufleben. Themen wie Gemütlichkeit und bequemer Rückzug in einer weichen, gerundeten Formensprache sind äußerst präsent. Man sitzt aber separiert, die bequemen Bereiche sind klar abgegrenzt, das Individuum und die Privatsphäre stehen im Vordergrund. Das Drinnen wanderte in den letzten Jahren nach Draußen und das „luftige“ Draußen wandert nun in Form von extrem filigranen Beinen aus Rundstab und Rundrohr wieder zurück. Generell verschwimmen die Lebens- und Wohnbereiche und so mischen sich auch die Aussteller immer vielfältiger zwischen Indoor, Outdoor und Office und Home.

 

Wir sind der Meinung, dass Innovation in der Möbelwelt ohne den nachhaltigen Gedanken nicht mehr funktionieren kann. Die Zukunft von Lebensräumen und dessen Möblierung ist untrennbar von diesem Umstand geprägt. Wir finden als Gestalter dieser Zeit sollten wir uns auch in der Entstehung von Designs für Morgen diesen Fragen stellen und diese Herausforderung noch mehr annehmen.

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