Die weltgrößte Messe für Reisemobile und Caravans

– von Andreas Sickert –

Wir waren auf dem CSD – und in Düsseldorf ist das der Caravan Salon!

Als Neulinge des CSD sind wir dann auch gleich mal tief in die Kundenperspektive eingetaucht.

Der Überblick, wofür die verschiedenen Marken und deren Produkte stehen, wird dem Otto-Normalcamper (also uns) nicht leicht gemacht. Auf den ersten Blick scheint man an jedem Preispunkt fast alles zu bekommen! Trotz stetig wachsenden Umsatzzahlen, führt die Jagd nach dem Käufer offensichtlich zu einer Normierung der Angebote mit spürbarer Tendenz zur Langweiligkeit. Die „Eigenen vier Wände“ werden zu den „Eigenen vier Rädern“ übersetzt. Und warum der Staub hinter den Türen der Glasvitrinen (diese darf in vielen Ausstattungsvarianten nicht fehlen) auch in die schönsten Wochen des Jahres mit auf die Reise genommen werden muss, will sich mir einfach nicht erschließen.

Das mobile Heim beherbergt fast alles, was heute zu einem guten Haus gehört. Einfach in einem kleineren Maßstab und damit bis an die Grenzen der Funktionalität und Nutzbarkeit gebracht. Bin ich bisher davon ausgegangen, dass Praktikabilität und Nutzen im Vordergrund stehen, wurde ich in Düsseldorf in vielen Fällen eines Besseren belehrt. Anstatt sich auf die wesentlichen und wirklich wichtigen Funktionen zu konzentrieren und diese mit überzeugenden Details perfekt umzusetzen, scheint es irgendwie immer um alles zu gehen. Die Branche bedient sich sichtbar den Sortimenten der Zulieferindustrie, was wiederum der Individualität der einzelnen Produkte und Positionierung der Marken nicht wirklich zuträglich ist.

Aber doch gibt es Lichtblicke, die wiederum darauf schließen lassen, dass bei dem einen oder anderen Endkunden der klassische WoMo-Karton mittlerweile in Frage gestellt wird. Jedenfalls lässt sich die bei dem wachsenden Angebot in der Compact-Klasse vermuten.

Hier lässt sich erkennen, dass die Mobilität, das Campen und der praktische Nutzen dann doch noch im Vordergrund stehen. Ich hoffe, dass es nicht nur dem Preisdruck geschuldet ist, dass in diesem Segment die klaren Linien und durchdachte Lösungen weiter erkennbar sind.

Volkswagen toppt die Erfolgsstory des California mit dem California XXL auf Crafter-Basis und scheint sich damit weiter erfolgreich jeder Preisdiskussion zu entziehen. Auch dies ist ein weiteres Indiz für den Wunsch nach Eigenständigkeit und die damit verbundene Preisbereitschaft beim Endkunden!

Am meisten irritierend ist aber für mich, dass die Trends in der Architektur und der Möbelindustrie in der Caravan-Branche noch weitgehend unberücksichtigt bleiben. Wir sind gespannt, wann die Branche erwacht, und welche Marke sich als erstes mit wirklich innovativen und zukunftsweisenden Angeboten ihren Kunden nähert.

Aber nun ist es klar: Ich werde mich in meinem nächsten Urlaub in den Selbstversuch begeben. Bleistift und Skizzenbuch (wahlweise auch das CAD auf dem mobilen Arbeitsplatz) liegen schon parat.

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