boot Düsseldorf 2017 – eine Branche weiss sich zu feiern

– von Andreas Sickert –

Nachdem die Hanseboot in Hamburg im vergangenen November einmal mehr ein ernüchterndes Erlebnis war, zeigte sich die Branche in Düsseldorf in der letzten Woche von ihrer „besten Seite“. Hochglanz und Luxus soweit das Auge reicht. Das Boot hat sich, wenn man die Messe als Referenz annehmen möchte, eindeutig zum Luxusgut entwickelt. Carbon und HighTech bestimmen weitgehend das Bild. Und auch wenn die Segel- und Motoryachten für den Rahmen der eigenen Möglichkeiten unerreichbar sind, macht der Rundgang auf der Messe und die Begehung der schwimmenden Ferienhäuser durchaus grossen Spass. Die Werften bedienen weltweite Märkte und profitieren an einer stetig wachsenden Schicht derer, die sich diesen Spass leisten möchten. Ob die angesprochene Klientel und Käufer diese Produkte für den eigentlich gemachten Zweck nutzt, wirkt dabei mehr als fraglich. Es ist vielmehr zu vermuten, dass diese perfekten Yachten auf das bekannte Bild an den Stegen und Marinas der einschlägigen Hotspots dieser Welt weiter einzahlen werden.

Und trotzdem, ich bin einmal mehr beeindruckt, mit welcher Liebe zum Design und Interior die Yachten entwickelt werden. Schon lange dominiert nicht mehr der bekannte „schwülstige“ und „schiffige“ Look das Bild sondern ein pures architektonisch Design. Das Interior orientiert sich zunehmend am modernen Wohn- und Einrichtungsumfeld. Und dennoch, die auf einem seegängigen Schiff nötigen Funktionen kommen nicht zu kurz. Griffe und Leisten sind da wo sie hin gehören, unaufdringlich und in das sowieso perfekte Interior integriert. Teak und sichtbares Carbon wird im Innenraum mit perfekten Oberflächen aus Holz, Mineralguss und Glas ergänzt. Liebevoll und schön.

Doch wo findet dieser ganze Luxus statt? Die Marinas in Deutschland werden weiter leerer. Freie Liegeplätze werden durch die zunehmende Anzahl der Hausboote besetzt. Das Interesse, ein (erschwingliches) Boot zu kaufen sinkt. Die Eigner in Deutschland werden weniger und vor allem älter. Ein entsprechend ähnliches Bild ergibt sich bei einem Besuch vieler Vereine. Aber wie können wir Kinder und Jugendliche, oder überhaupt den Nachwuchs, weiter für diesen wunderbaren Sport begeistern? Attraktive Einstiegsprodukte und Angebote gibt es zu wenig. Und die Werften wenden sich sichtbar den betuchteren Interessenten zu.

Da wirkt das Engagement der Messe mit dem „Maritimen Klassenzimmer“ und ähnlich schönen Angeboten fast hilflos. Und auch die im Eingangsbereich präsentierten „Optis“ scheinen aus einer längst vergangenen Zeit zu stammen. Können wir Enthusiasten und Designer nicht für entsprechend attraktive Einstiegsprodukte sorgen? Haben wir keine Ideen, die klassische und digitale Welt zu verbinden? Finden wir bei den Werften nicht doch irgendwann Gehör?

Und trotzdem; am kommenden Sonnabend ist wieder Seepferdchen-Kurs und mein Sohn wird im Frühjahr die Wahl haben, seine ersten Erfahrungen mit dem „Opti“ zu machen. Ich hoffe sehr, dass diese kleine Seifenkiste mit Segel, nicht wegen uncool und zu geringem Playstation-Faktor abgelehnt wird.